St. Maria in Lyskirchen - Sehenswürdigkeiten


Mittelalterliche Gewölbemalereien

Die mittelalterlichen Gewölbemalereien gehören zu den größten Kostbarkeiten von St. Maria in Lyskirchen. Sie entstanden überwiegend um die Mitte des 13. Jahrhunderts und sind für Köln außergewöhnlich gut erhalten. Im Mittelschiff werden Geschichten aus dem Alten und dem Neuen Testament einander gegenübergestellt. So werden etwa die Geburt Isaaks und die Geburt Christi oder der Einzug Salomos und der Einzug Jesu in Jerusalem miteinander verbunden. Die Malereien sollten den Gläubigen zeigen, wie Ereignisse des Alten Testaments als Vorausdeutungen auf Christus verstanden wurden. In den beiden Chorkapellen befinden sich zusätzlich Bilderzyklen aus dem Leben des heiligen Nikolaus und der heiligen Katharina. Die kräftigen Figuren, die geschwungenen Gewänder und die klare Bildordnung vermitteln einen guten Eindruck von mittelalterlicher Kirchenmalerei. Dadurch zählen die Gewölbemalereien zu den bedeutendsten erhaltenen Kunstwerken der Kirche.


Schiffermadonna

Die sogenannte Schiffermadonna ist eine über zwei Meter hohe Holzfigur der Muttergottes mit dem Jesuskind und entstand um 1410/1420. Sie gehört zum sogenannten „weichen Stil“, der durch elegante Körperhaltungen und weich fallende, reich gefaltete Gewänder geprägt ist. Maria hält das nackte Jesuskind auf ihrem Arm, während sich das Kind dem Betrachter zuwendet und einen kleinen Apfel zu reichen scheint. Auffällig ist besonders der breite Mantel, dessen Stoff auf einer Seite in langen Bahnen und auf der anderen in kaskadenartigen Falten herabfällt. Die Figur gehörte ursprünglich wahrscheinlich nicht zur Ausstattung von St. Maria in Lyskirchen und kam erst im frühen 19. Jahrhundert in die Kirche. Ihren Namen erhielt sie durch die Verbindung des Viertels mit den Rheinschiffern, obwohl eine besondere mittelalterliche Schifferverehrung historisch nicht sicher nachgewiesen ist. Heute steht sie an der inneren Westwand und erinnert dennoch deutlich an die jahrhundertelange Verbindung des Viertels mit dem Rhein.


Nördlicher Seitenaltar – Beweinungsaltar

Der nördliche Seitenaltar ist vor allem durch die Darstellung der Beweinung Christi geprägt. Das ursprüngliche Altarbild wurde 1524 von dem bedeutenden Kölner Maler Joos van Cleve für St. Maria in Lyskirchen geschaffen. Das Original befindet sich heute im Städel Museum in Frankfurt, während in der Kirche eine im Jahr 1816 entstandene Kopie von Caspar Benedikt Beckenkamp zu sehen ist. Im Mittelpunkt steht der vom Kreuz abgenommene Christus, umgeben von trauernden Personen aus seinem engsten Umfeld. Die Darstellung verbindet das Leiden Christi mit der Trauer seiner Angehörigen und sollte die Gläubigen zu Mitgefühl und Andacht anregen. Der heutige Altaraufbau wurde im 19. Jahrhundert ergänzt und enthält christliche Symbole wie das Christusmonogramm sowie Alpha und Omega. Dadurch verbindet der Seitenaltar spätmittelalterliche Bildtradition mit Ergänzungen aus späteren Jahrhunderten.


Seitenaltar mit der Kreuzigung Christi

In der nördlichen Chorseitenkapelle befindet sich außerdem ein Altarretabel mit einer Darstellung der Kreuzigung Christi aus dem 17. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht Christus am Kreuz, dessen Körper und Blick das Leiden der Passion besonders deutlich hervorheben. Die Gestaltung orientiert sich stilistisch an einem Gemälde des Kölner Malers Gortzius Geldorp aus dem Jahr 1602. Auf der linken Seite des Bildes ist auch die Stifterin dargestellt, die damit dauerhaft in das religiöse Bildprogramm aufgenommen wurde. Auf dem Altartisch steht eine kleine Pietà aus der Zeit um 1480, die Maria mit dem Leichnam ihres Sohnes zeigt. Durch die Verbindung von Kreuzigung und Pietà wird das Leiden Christi in zwei aufeinanderfolgenden Momenten dargestellt. Der Altar gehört deshalb zu den eindrucksvollsten Andachtsorten innerhalb der Kirche.


Pietà

Die kleine Pietà auf dem Seitenaltar der nördlichen Chorkapelle entstand ungefähr um 1480. Sie zeigt Maria, die den toten Christus nach seiner Abnahme vom Kreuz auf ihrem Schoß hält. Dieses Bildmotiv war im späten Mittelalter besonders beliebt, weil es das Leiden Christi mit der persönlichen Trauer seiner Mutter verband. Anders als große erzählende Kreuzigungsszenen konzentriert sich die Pietà ganz auf die Beziehung zwischen Mutter und Sohn. Dadurch wirkt die Darstellung stiller, unmittelbarer und emotionaler. Die kleine Holzgruppe diente vermutlich vor allem der persönlichen Andacht und sollte den Betrachter zur Besinnung über Tod, Opfer und Erlösung anregen. Zusammen mit dem darüber befindlichen Kreuzigungsbild bildet sie einen inhaltlich eng verbundenen Schwerpunkt des Seitenaltars.


Stieglitzmadonna

Die sogenannte Stieglitzmadonna wurde im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts wahrscheinlich in Köln geschaffen. Die etwa 1,15 Meter hohe Holzfigur zeigt Maria mit dem Jesuskind und besitzt noch Teile ihrer älteren farbigen Fassung. Maria erscheint schlank und leicht geschwungen, während ihr Mantel in einfachen, deutlich geführten Falten über das Untergewand fällt. Das Jesuskind hält einen Stieglitz, der in der christlichen Kunst als Hinweis auf die spätere Passion Christi verstanden wird. Deshalb verbindet die scheinbar friedliche Darstellung von Mutter und Kind bereits die Geburt Jesu mit seinem späteren Leiden. Die Figur gelangte erst im 19. Jahrhundert als Geschenk von Catharina Pütz nach St. Maria in Lyskirchen. Heute gehört sie zu den bedeutenden mittelalterlichen Skulpturen im Chorbereich der Kirche.


Heiliger Maternus

Die Holzfigur des heiligen Maternus stammt wahrscheinlich vom barocken Hochaltar, der 1663 bis 1665 in St. Maria in Lyskirchen errichtet wurde. Maternus gilt als einer der frühen Bischöfe von Köln und besitzt deshalb für die Kölner Kirchengeschichte eine besondere Bedeutung. Die Figur zeigt ihn in bischöflicher Kleidung und ist an den mit ihm verbundenen Mitren zu erkennen. Nach dem schweren Hochwasser von 1784 wurde der damalige Hochaltar zerstört, doch die Maternusfigur blieb erhalten. Seit einer Restaurierung im Jahr 1975 besitzt sie eine weiße Fassung mit vergoldeten Säumen und Ornamenten. Ihre ursprüngliche Farbgestaltung ist heute nicht mehr bekannt. Als Überrest des barocken Hochaltars erinnert die Skulptur daran, dass sich die Ausstattung der romanischen Kirche im Lauf der Jahrhunderte immer wieder verändert hat.


Heiliger Nikolaus

Auch die Figur des heiligen Nikolaus gehörte ursprünglich zum barocken Hochaltar der Kirche. Nikolaus war als Schutzheiliger der Schiffer und Reisenden besonders passend für eine Kirche in unmittelbarer Nähe zum Rhein und zum historischen Hafenviertel. Gemeinsam mit der Figur des heiligen Maternus bildete sie einen Teil der barocken Ausstattung des 17. Jahrhunderts. Der Hochaltar wurde jedoch beim verheerenden Hochwasser und Eisgang von 1784 stark beschädigt und anschließend ersetzt. Die Nikolausfigur blieb zunächst als Teil der älteren Ausstattung erhalten, befindet sich heute jedoch nicht mehr an ihrem ursprünglichen Platz im Kirchenraum. Die Verehrung des Heiligen ist dennoch in St. Maria in Lyskirchen besonders präsent. In der südlichen Chorkapelle erzählen außerdem mittelalterliche Gewölbemalereien mehrere Wunder aus seinem Leben.


Heilige Helena, Maternus und Gereon

Im östlichen Fenster des nördlichen Seitenschiffs befinden sich drei Glasmalereien aus der Zeit um 1520/1530 mit den Heiligen Helena, Maternus und Gereon. Helena ist mit dem Kreuz Christi dargestellt, dessen Auffindung ihr nach der christlichen Überlieferung zugeschrieben wird. Gereon erscheint dagegen als Ritter und trägt eine Fahne sowie einen Schild mit Kreuz. In der Mitte befindet sich der heilige Maternus als Kölner Bischof, dessen Darstellung allerdings nur fragmentarisch erhalten ist. Die Figuren stehen in architektonisch gestalteten Rahmen, die bereits deutlich von Formen der Renaissance beeinflusst sind. Gleichzeitig zeigen die Bilder noch Elemente der spätmittelalterlichen Kölner Kunst. Die drei Heiligen stellen damit nicht nur religiöse Vorbilder dar, sondern verweisen auch besonders auf die Geschichte und Tradition der Stadt Köln.

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