Severinsschrein


Der Severinsschrein befindet sich erhöht hinter dem Hochaltar im Chor der Kirche St. Severin und ist der bedeutendste Reliquienschrein der Kirche. In ihm werden die Gebeine des heiligen Severin aufbewahrt, des dritten namentlich bekannten Bischofs von Köln und Schutzpatrons der Kirche. Der heutige Schrein wurde 1819 aus vergoldetem Kupfer angefertigt, nachdem der kostbare mittelalterliche Goldschrein während der französischen Besatzung im Jahr 1798 eingeschmolzen worden war. Der ursprüngliche Schrein galt nach dem Dreikönigsschrein im Kölner Dom als einer der bedeutendsten Reliquienschreine Kölns.

Der Schrein ist in der traditionellen Form eines kleinen Kirchengebäudes gestaltet. Er besitzt ein sattelförmiges Dach, reich verzierte Seitenflächen und steht auf einem erhöhten Unterbau hinter dem Hochaltar. Seine vergoldeten Flächen und dekorativen Beschläge erinnern an den verlorenen mittelalterlichen Goldschrein. Die genauen Außenmaße des heutigen Schreins sind jedoch nicht überliefert.

Im Jahr 1999 wurde der Schrein im Rahmen einer Restaurierung geöffnet und wissenschaftlich untersucht. Dabei entdeckte man im Inneren eine hölzerne Reliquienlade aus dem 10. Jahrhundert, in der sich die Gebeine des heiligen Severin befanden. Außerdem kamen kostbare Seiden- und Leinentextilien aus dem 7. bis 10. Jahrhundert, Siegel früherer Schreinsöffnungen seit dem Jahr 948 sowie Reste von Holz, Leder, Weintraubenkernen und sogar die Knochen einer Maus zum Vorschein. Die Untersuchungen ergaben, dass die Gebeine zu einem etwa 159 cm großen Mann gehörten, der seine Kindheit wahrscheinlich im Raum Köln verbracht hatte. Die Funde belegen eine nahezu ununterbrochene Verehrung des heiligen Severin seit dem frühen Mittelalter. 

Bis heute ist der Severinsschrein Mittelpunkt des religiösen Lebens der Gemeinde. Jedes Jahr wird er beim Severinusfest in einer feierlichen Prozession durch das Severinsviertel getragen und erinnert an die jahrhundertelange Verehrung des heiligen Severin. Damit ist der Schrein nicht nur ein bedeutendes Kunstwerk, sondern auch eines der wichtigsten Zeugnisse der Kölner Heiligen- und Reliquienverehrung.

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