1. Die Apostelfiguren
Zu den bedeutendsten Kunstwerken in St. Aposteln gehören die zwölf Apostelfiguren, die heute hinter dem Altar aufgestellt sind. Die aus Holz geschnitzten Figuren entstanden wahrscheinlich kurz nach 1350 und zählen zu den besonders qualitätvollen Beispielen der rheinischen Bildhauerkunst des Mittelalters. Jeder Apostel besitzt eine eigene Körperhaltung, Gesichtsgestaltung und Ausdrucksweise. Dadurch wirken die Figuren nicht wie eine gleichförmige Gruppe, sondern wie einzelne Persönlichkeiten. Häufig können die Apostel auch anhand ihrer traditionellen Attribute erkannt werden. Seit 1988 stehen sie in einem modernen, gitterartigen Retabel, das von Paul Nagel entworfen wurde. Die Verbindung von mittelalterlichen Figuren und moderner Präsentation macht die Gruppe besonders interessant. Sie erinnert zugleich an das Patrozinium der Kirche, die den zwölf Aposteln geweiht ist.
2. Die Madonna mit Kind
Eine besonders schöne mittelalterliche Skulptur ist die lebensgroße Madonna mit Kind. Die Steinfigur entstand um 1500 und zeigt Maria als junge Himmelskönigin mit dem Jesuskind. Auffällig ist, dass Maria das Kind nicht streng und feierlich präsentiert, sondern es beinahe spielerisch auf ihren Händen trägt. Dadurch wirkt die Darstellung lebendig und menschlich. In der Gestaltung erkennt man noch Einflüsse des sogenannten Weichen Stils des 15. Jahrhunderts, gleichzeitig zeigen die Hände und die Körperhaltung bereits einen stärkeren Realismus. Ursprünglich stand die Figur außen in einer Nische der Ostapsis zum Neumarkt. Wegen der Witterung wurde sie 1977 dort durch eine Kopie ersetzt. Nach einer Restaurierung wurde das Original 2023/24 im Kircheninneren aufgestellt und kann dort aus der Nähe betrachtet werden.
3. Die Gewölbemalereien von Hermann Gottfried
Sehr auffällig sind die farbigen Gewölbemalereien im östlichen Bereich der Kirche. Sie wurden zwischen 1988 und 1993 von dem Glas- und Kirchenmaler Hermann Gottfried geschaffen. Damit handelt es sich nicht um mittelalterliche Malereien, sondern um ein modernes Kunstwerk, das sich bewusst an historischen Vorbildern orientiert. Inhaltlich behandeln die Bilder die Offenbarung des Johannes, das letzte Buch des Neuen Testaments. In der Südkonche ist unter anderem das Lamm Gottes dargestellt, während im Osten der himmlische Thronsaal mit dem gläsernen Meer erscheint. In der Nordkonche findet sich die apokalyptische Frau. Weitere Darstellungen zeigen den auferstandenen und den gekreuzigten Christus sowie die vier Wesen der Apokalypse. Durch die kräftigen Farben prägt dieser Bilderzyklus den heutigen Eindruck des Kirchenraums.
4. Das Gemälde des Katharinenaltars
Zu den historischen Kunstwerken von St. Aposteln gehört auch das Gemälde des früheren Katharinenaltars. Es ist der heiligen Katharina von Alexandrien gewidmet, die zu den bekanntesten Heiligen des Mittelalters zählt. Der Überlieferung zufolge war Katharina eine hochgebildete junge Frau, die sich zum Christentum bekannte und deshalb den Märtyrertod erlitt. In der christlichen Kunst wird sie häufig mit einem Rad oder einem Schwert dargestellt, die auf ihr Martyrium hinweisen. Das Gemälde erinnert an die zahlreichen Nebenaltäre, die früher in großen mittelalterlichen Kirchen vorhanden waren. Solche Altäre waren einzelnen Heiligen gewidmet und dienten bestimmten Gruppen oder Bruderschaften als Orte des Gebets. Das Bild ist deshalb nicht nur als Kunstwerk interessant, sondern gibt auch einen Eindruck vom religiösen Leben in St. Aposteln in früheren Jahrhunderten.
5. Die Vierzehn Nothelfer
Eine weitere bemerkenswerte Figurengruppe stellt die Vierzehn Nothelfer dar. Dabei handelt es sich um vierzehn Heilige, die besonders seit dem späten Mittelalter gemeinsam verehrt wurden. Die Gläubigen riefen sie bei Krankheiten, Gefahren und unterschiedlichen persönlichen Nöten um Hilfe an. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem die heiligen Georg, Christophorus, Blasius, Barbara, Katharina und Margareta. In St. Aposteln sind die Heiligen als einzelne Figuren dargestellt und bilden zusammen eine eindrucksvolle Gruppe. Jede Figur besitzt typische Merkmale oder Attribute, durch die sie erkannt werden kann. Die Darstellung verdeutlicht, welche große Bedeutung die Heiligenverehrung für Menschen früherer Jahrhunderte hatte. Gleichzeitig bieten die Figuren einen guten Einblick in die religiöse Bildhauerkunst und ihre Aufgabe, Glaubensinhalte für die Besucher einer Kirche sichtbar und verständlich zu machen.
6. Die Figuren der heiligen Petrus und Paulus
Die beiden Holzskulpturen der Apostel Petrus und Paulus stammen aus dem Jahr 1761 und wurden von dem Bildhauer Johann Joseph Imhoff geschaffen. Sie gehörten ursprünglich zu einem spätbarocken Hochaltar in der Ostkonche von St. Aposteln. Die Figuren sind weiß gefasst und entsprechen damit dem Geschmack der damaligen Zeit. Petrus ist traditionell vor allem an seinem Schlüssel zu erkennen, während Paulus häufig mit einem Schwert dargestellt wird. Beide Apostel gehören zu den wichtigsten Persönlichkeiten des frühen Christentums. Nachdem der alte Hochaltar 1819 aufgegeben worden war, wurden die Figuren weiterverwendet und an einem anderen Altar aufgestellt. Dadurch haben sie mehrere Veränderungen des Kirchenraumes überstanden. Heute sind sie wichtige Zeugnisse der barocken und frühklassizistischen Ausstattung von St. Aposteln.
7. Der Schmerzensmann
Im Westquerhaus befindet sich eine Darstellung Christi als Schmerzensmann. Dieses Bildmotiv zeigt Christus nach seinem Leiden und seiner Kreuzigung und soll den Betrachter besonders unmittelbar an seine Schmerzen erinnern. Christus wird dabei nicht als triumphierender Herrscher, sondern als leidender Mensch dargestellt. Solche Darstellungen waren vor allem für die persönliche Andacht gedacht. Die Gläubigen sollten sich beim Betrachten mit dem Leiden Christi beschäftigen und über Tod und Erlösung nachdenken. Gerade deshalb wurde bei Schmerzensmann-Darstellungen großer Wert auf Gesichtsausdruck, Wunden und Körperhaltung gelegt. Das Kunstwerk in St. Aposteln gehört zur historischen Ausstattung der Kirche und steht in einem deutlichen Gegensatz zu den farbenfrohen modernen Gewölbemalereien. Dadurch kann man innerhalb einer Kirche sehr unterschiedliche Formen christlicher Kunst miteinander vergleichen.
8. Das Mosaik „Christus als guter Hirte“
Das Mosaik „Christus als guter Hirte“ entstand 1910 und ist ein wichtiges Zeugnis der historistischen Ausstattung von St. Aposteln. Zwischen 1895 und 1912 waren große Teile der Kirche mit farbenprächtigen Mosaiken und Malereien geschmückt worden. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurden fast alle diese Ausstattungen entfernt. Das Mosaik des Guten Hirten blieb jedoch erhalten. Es zeigt Christus in einem antikisierenden Gewand, der sich einem verlorenen Schaf zuwendet und es mit geöffneten Armen empfängt. Damit nimmt das Bild Bezug auf das biblische Gleichnis vom verlorenen Schaf. Christus erscheint als Hirte, der jeden Menschen sucht und niemanden zurücklässt. Das Werk ist heute besonders wertvoll, weil es als eines der wenigen erhaltenen Beispiele zeigt, wie farbenreich St. Aposteln zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgestattet war.

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