St. Aposteln am Kölner Neumarkt gehört zu den zwölf großen romanischen Kirchen der Stadt und zählt zu den bedeutendsten Bauwerken der rheinischen Romanik. Der heutige Kirchenbau geht im Kern auf eine unter Erzbischof Pilgrim um 1020/1030 errichtete Stiftskirche zurück. Diese war als dreischiffige Pfeilerbasilika mit Querhaus und einem Westchor angelegt. Im Laufe des 12. und frühen 13. Jahrhunderts wurde die Kirche mehrfach erweitert und umgestaltet. Ihre heute prägende Gestalt war etwa um 1230 weitgehend vollendet.
Der Grundriss der Kirche wird durch ein langgestrecktes dreischiffiges Langhaus bestimmt. Ein breites Mittelschiff wird von zwei niedrigeren Seitenschiffen begleitet. Kräftige Pfeiler tragen die Arkaden und gliedern den Innenraum in einzelne Joche. Über den Arkaden erhebt sich der Obergaden mit seinen Fenstern, durch die Licht in das Mittelschiff fällt. Die klare Gliederung von Mittelschiff und Seitenschiffen entspricht dem typischen Aufbau einer romanischen Basilika. Gleichzeitig zeigen spätere Bauteile bereits eine stärkere Höhenbetonung und differenziertere Wandgliederung, wie sie für die späte Romanik charakteristisch ist.
Besonders auffällig ist der mächtige Westbau. Hier befindet sich der fast 67 Meter hohe Westturm, der Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet wurde und die Silhouette der Kirche stark bestimmt. Der Westteil geht auf die ältere doppelchörige Anlage zurück. Ursprünglich lag hier der liturgisch wichtige, dem Apostel Paulus geweihte Hauptchor. Zum Westbau gehört außerdem ein Querhaus. Um 1220 erhielt dieser Bereich sechsteilige Gewölbe und eine zweizonig gegliederte Wandgestaltung. Dadurch wurde der ältere frühromanische Bau in Formen der Spätromanik überarbeitet.
Das architektonische Hauptmerkmal von St. Aposteln befindet sich jedoch im Osten: der monumentale Dreikonchenchor, der um 1200 entstand. Er besteht aus drei annähernd gleich großen halbkreisförmigen Raumabschlüssen, den sogenannten Konchen. Eine Konche liegt in der Hauptachse des Chores, die beiden anderen schließen seitlich an. Zusammen bilden sie einen kleeblattförmigen Grundriss. Deshalb wird diese Bauform auch als Kleeblattchor oder Trikonchos bezeichnet. Die drei Konchen gruppieren sich symmetrisch um die zentrale Vierung.
Über der Vierung erhebt sich eine Kuppel beziehungsweise ein Vierungsturm. Zwei zusätzliche Flankentürme begleiten den Chorbereich. Dadurch entsteht von außen eine stark gestaffelte und plastische Baugruppe aus Rundbauten, Türmen und Dachflächen. Besonders vom Neumarkt aus wird diese Ostpartie zur repräsentativen Schauseite der Kirche. Die Vielzahl der unterschiedlich hohen Baukörper ist typisch für die rheinische Romanik und verleiht St. Aposteln einen monumentalen Charakter.
Auch die Außenwände des Dreikonchenchores sind reich gegliedert. Rundbogenfenster, Blendarkaden, Lisenen und Galerien lockern die großen Mauerflächen auf. Charakteristisch sind insbesondere die Zwerggalerien, also schmale begehbare Arkadengänge unterhalb der Dachzone. Sie verlaufen um Teile des Chores und tragen wesentlich zur horizontalen Gliederung des Außenbaus bei. Im Inneren besitzen die Konchen eine zweigeschossige Wandordnung: Im unteren Bereich befinden sich Nischen, darüber Fenster und vorgestellte Säulen mit Laufgängen.
Der Innenraum wirkt trotz der massiven romanischen Bauweise vergleichsweise hoch und weit. Rundbögen, Pfeiler, Säulen und Gewölbe bestimmen den architektonischen Eindruck. Besonders im Chor entsteht durch die drei geöffneten Konchen ein zentralisierter Raum, der sich deutlich vom längsgerichteten Langhaus unterscheidet. Dadurch treffen innerhalb der Kirche zwei unterschiedliche Raumprinzipien aufeinander: das lineare Basilikaschema des Langhauses und der zentral ausgerichtete Kleeblattchor im Osten.
Im Zweiten Weltkrieg wurde St. Aposteln schwer beschädigt. Beim Wiederaufbau nach 1945 entschied man sich nicht für eine vollständige Rekonstruktion aller späteren historischen Veränderungen. Stattdessen versuchte man, wesentliche romanische Raumformen wieder stärker sichtbar zu machen. Der Dreikonchenchor und der Vierungsturm wurden zwischen 1965 und 1975 wiederhergestellt. Auch die bereits im 17. Jahrhundert aufgegebene und zugeschüttete Westkrypta wurde in den 1950er-Jahren ausgegraben und teilweise rekonstruiert.
St. Aposteln zeigt damit verschiedene Entwicklungsphasen der mittelalterlichen Kirchenarchitektur. Der frühromanische Kern des 11. Jahrhunderts, der monumentale Westturm des 12. Jahrhunderts und der um 1200 entstandene Dreikonchenchor verbinden sich zu einem komplexen Gesamtbau. Besonders die Kombination aus Basilika, mächtigem Westbau und kleeblattförmigem Ostchor macht die Kirche zu einem charakteristischen Hauptwerk der rheinischen Spätromanik.

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