Neu St. Heribert - Sehenswürdigkeiten


1. Die Kirchenfenster

Die heutige Verglasung von Neu St. Heribert entstand vollständig nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Chorfenster entwarf der damalige Kölner Dombaumeister Willy Weyres; im Zentrum stehen das Lamm Gottes und die Symbole der vier Evangelisten. Die übrigen Fenster schuf Wilhelm Buschulte ab 1976. Besonders umfangreich ist der Zyklus in den Seitenschiffen. Im östlichen Seitenschiff werden Menschwerdung und öffentliches Wirken Christi dargestellt, darunter Verkündigung, Geburt Christi und Auferweckung des Lazarus. Das westliche Seitenschiff behandelt Passion und Auferstehung, etwa Gethsemane, Gefangennahme, Kreuzigung und den ungläubigen Thomas. Hinzu kommen die großen Fenster in den Querhäusern und über dem Portal. Das zusammenhängende Fensterprogramm gehört zu den wichtigsten künstlerischen Ausstattungen der heutigen Kirche. 

2. Der Kreuzweg von Theo Heiermann

Der bronzene Kreuzweg wurde 1962 von dem Kölner Bildhauer Theo Heiermann geschaffen. Er besteht aus den traditionellen vierzehn Stationen des Leidenswegs Christi. Anders als ein zusammenhängendes Kunstwerk verteilt er sich über den Kirchenraum und begleitet den Besucher entlang der beiden Seitenschiffe. Die erste Station befindet sich vorne im westlichen Seitenschiff, die letzte ihr gegenüber im östlichen Seitenschiff. Heiermann gehört zu den Künstlern, die nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche Kirchen im Rheinland mit moderner sakraler Kunst ausstatteten. Der Kreuzweg ist entsprechend kein historistisches Überbleibsel der ursprünglichen Kirchenausstattung, sondern Teil der künstlerischen Neugestaltung der Nachkriegszeit. Material und reduzierte Formensprache setzen einen deutlichen Akzent gegenüber der neoromanischen Architektur. Alle Stationen sind im normalen Kirchenraum zugänglich und können unmittelbar betrachtet werden. 

3. Der gotische Taufstein

Der gotische Taufstein aus dem 15. Jahrhundert ist deutlich älter als Neu St. Heribert selbst. Er stammt aus der ehemaligen Deutzer Pfarrkirche St. Urban, die früher unmittelbar am Rhein stand. Nachdem diese Kirche bereits seit 1784 nicht mehr als Pfarrkirche genutzt werden konnte, blieb der Taufstein erhalten und gelangte schließlich nach Neu St. Heribert. Heute steht er vorne in der Taufkapelle und gehört damit zu den ältesten sichtbaren Ausstattungsstücken der Kirche. Der heutige Deckel ist dagegen modern und mit Emailleeinlagen versehen. Bekrönt wird er von einer Taube als Symbol des Heiligen Geistes. Der Taufstein steht in einer wellenförmig gestalteten Vertiefung, die das Wasser der Taufe aufnimmt beziehungsweise symbolisiert. Er verbindet Neu St. Heribert unmittelbar mit der älteren Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde in Deutz. 

4. Die vier Kirchenväter

Im Chor von Neu St. Heribert stehen vier Figuren der lateinischen Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Gregor des Großen und Hieronymus. Sie stammen nicht aus der Erstausstattung der neuen Kirche, sondern wurden aus Alt St. Heribert übernommen. Damit gehören sie zu den sichtbaren Ausstattungsstücken, die die Verbindung zwischen der ehemaligen Deutzer Klosterkirche und der heutigen Pfarrkirche bewahren. Die vier dargestellten Heiligen zählen seit dem Mittelalter zu den wichtigsten theologischen Autoritäten der westlichen Kirche. Ambrosius und Augustinus stehen besonders für die Theologie der Spätantike, Gregor für das Papsttum und Hieronymus vor allem für seine lateinische Bibelübersetzung. Als Vierergruppe bildeten die Kirchenväter ein häufiges Thema kirchlicher Ausstattung. Ihr heutiger Standort im Chor entspricht ihrer Bedeutung als Lehrer und Ausleger des christlichen Glaubens. Für Neu St. Heribert sind sie zugleich historische Zeugnisse der älteren Deutzer Kirchenausstattung. 

5. Die Marienfigur in der Marienkapelle

In der Marienkapelle befindet sich eine Marienfigur aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die in der Pfarrbeschreibung als „Himmelskönigin“ bezeichnet wird. Auch sie wurde aus Alt St. Heribert in die heutige Kirche übernommen. Maria erscheint hier also nicht als Bestandteil einer modernen Nachkriegsausstattung, sondern als historisches Andachtsbild der Deutzer Gemeinde. Die Figur steht über einer ebenfalls hierher versetzten älteren Nebenaltarmensa. Ihre Bezeichnung als Himmelskönigin verweist auf die traditionelle Darstellung Mariens als erhöhte und gekrönte Mutter Christi. Dadurch bildet die Figur den Mittelpunkt der eigenen Marienkapelle. Interessant ist insbesondere ihre Herkunft, denn sie gehört zu jener Gruppe von Gegenständen, die beim Übergang von Alt zu Neu St. Heribert bewahrt wurden. Sie macht deshalb innerhalb des heutigen Kirchenraums ein Stück der Ausstattungsgeschichte des 19. Jahrhunderts unmittelbar sichtbar. 

6. Die Figur des heiligen Judas Thaddäus

Im östlichen Seitenschiff befindet sich eine Figur des Apostels Judas Thaddäus. Wie die Kirchenväter und die Marienfigur stammt sie aus der ehemaligen Kloster- und späteren Pfarrkirche Alt St. Heribert. Über Alter und Künstler der Figur macht der Kirchenführer keine näheren Angaben, weshalb eine genauere Datierung nicht sicher angegeben werden sollte. Judas Thaddäus gehört zum Kreis der zwölf Apostel und ist nicht mit Judas Iskariot zu verwechseln. In der katholischen Tradition entwickelte sich besonders seit der Neuzeit eine ausgeprägte Verehrung des Heiligen. Er gilt als Fürsprecher in schwierigen oder scheinbar aussichtslosen Anliegen. Die Figur ist unmittelbar im Kirchenraum aufgestellt und gehört damit zu den regulär sichtbaren historischen Ausstattungsstücken. Ihr besonderer Wert für Neu St. Heribert liegt vor allem darin, dass auch sie ein erhaltenes Stück aus Alt St. Heribert darstellt.

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