1. Die Kreuzigungsgruppe
Die spätgotische Kreuzigungsgruppe gehört zu den bedeutendsten erhaltenen Kunstwerken in Groß St. Martin. Sie entstand um 1500 und befindet sich im nördlichen Seitenschiff. Dargestellt ist der gekreuzigte Christus, begleitet von seiner Mutter Maria und dem Apostel Johannes. Die Figuren stammen aus der Werkstatt des Kölner Bildschnitzers Tilman Heysacker, genannt Krayndunck. Vermutlich steht die Gruppe im Zusammenhang mit einer Stiftung des Kölner Bürgermeisters Johann von Aich aus dem Jahr 1509. Die ausdrucksstarken Körperhaltungen und Gesichter sollten beim Betrachter Mitgefühl mit dem Leiden Christi hervorrufen. Besonders auffällig ist die schlanke und realistische Gestaltung der Figuren. Die Kreuzigungsgruppe vermittelt damit einen guten Eindruck von der religiösen Kunst der Spätgotik. Sie gehört zu den wenigen historischen Ausstattungsstücken, die trotz der schweren Zerstörungen der Kirche im Zweiten Weltkrieg erhalten geblieben sind.
2. Die Grablegungsgruppe
Ebenfalls aus der Zeit um 1500 stammt die spätgotische Grablegungsgruppe im nördlichen Seitenschiff. Sie zeigt den Moment, in dem der Leichnam Jesu nach der Kreuzigung in das Grab gelegt wird. Josef von Arimathäa und Nikodemus halten den Körper Christi, während Maria und weitere Frauen um ihn trauern. Zu ihnen gehören Maria Kleophas und Maria Salomas. Auch diese Figuren werden der Werkstatt von Tilman Heysacker, genannt Krayndunck, zugeschrieben. Die Künstler legten großen Wert auf die Darstellung von Trauer, Schmerz und Anteilnahme. Dadurch wirkt die Szene trotz ihres hohen Alters sehr lebendig. Die Gruppe diente nicht nur als Schmuck, sondern vor allem als Andachtsbild für die Gläubigen. Sie sollten sich beim Betrachten mit der Leidensgeschichte Christi beschäftigen. Zusammen mit der Kreuzigungsgruppe zählt sie zu den wichtigsten spätmittelalterlichen Kunstwerken der Kirche.
3. Der romanische Taufstein
Ein weiteres bedeutendes Kunstwerk ist der Taufstein aus dem 13. Jahrhundert. Er gehört damit zu den ältesten erhaltenen Ausstattungsstücken von Groß St. Martin. Der Taufstein erinnert daran, dass die Taufe bereits im Mittelalter eine zentrale Bedeutung im christlichen Leben hatte. Durch die Taufe wurde ein Mensch in die christliche Gemeinschaft aufgenommen. Seine schlichte, schwere Form passt gut zur romanischen Architektur der Kirche. Gleichzeitig zeigt sie, wie stark sich mittelalterliche Kunst von späteren, reich verzierten Stilen unterscheidet. Der historische Taufstein wurde in neuerer Zeit durch einen modernen Deckel ergänzt. Diesen schuf der deutsche Bildhauer Karl Matthäus Winter. Dadurch treffen an einem einzigen Kunstwerk mittelalterliche und moderne Gestaltung aufeinander. Der Taufstein verdeutlicht deshalb besonders gut, dass Groß St. Martin Kunstwerke aus sehr unterschiedlichen Jahrhunderten miteinander verbindet.
4. Die Glasfenster von Hermann Gottfried
Die farbigen Glasfenster von Hermann Gottfried gehören zur modernen Ausstattung von Groß St. Martin. Sie entstanden hauptsächlich zwischen 1984 und 1990, nachdem die Kirche nach den schweren Kriegsschäden wiederaufgebaut worden war. Besonders auffällig sind die Fenster in der Ostkonche des Chores. Sie zeigen drei wichtige Stationen aus dem Leben des Kirchenpatrons Martin von Tours. Links erscheint Martin als Mönch, in der Mitte ist die berühmte Mantelteilung dargestellt und rechts ist Martin als Bischof zu sehen. Gottfried verwendete einen modernen, stark vereinfachten und teilweise abstrakten Figurenstil. Die kräftig gegliederten Glasflächen unterscheiden sich deutlich von mittelalterlicher Glasmalerei. Durch das einfallende Tageslicht verändert sich ihre Wirkung im Laufe des Tages. Die Fenster bilden bewusst einen modernen Gegensatz zur romanischen Architektur. Sie zeigen, dass die künstlerische Gestaltung von Groß St. Martin nicht mit dem Mittelalter endete.
5. Der Dreikonchenchor und die romanische Architektur
Nicht nur einzelne Figuren und Gegenstände sind in Groß St. Martin sehenswert. Auch die Architektur selbst ist ein bedeutendes Kunstwerk. Besonders wichtig ist der sogenannte Dreikonchenchor, der wahrscheinlich im 12. Jahrhundert entstand. „Konche“ bezeichnet einen halbkreisförmigen Raumabschluss. In Groß St. Martin sind drei solcher Konchen kleeblattartig um die Vierung angeordnet. Darüber erhebt sich der mächtige Vierungsturm, der bis heute das Kölner Rheinpanorama prägt. Die hohen und schlanken Stützen des Chores lassen den Innenraum größer und leichter wirken, als man es bei einer romanischen Kirche erwarten würde. Einige Formen weisen bereits auf die später entstehende Gotik hin. Groß St. Martin gilt deshalb als eines der wichtigsten Werke der staufischen Romanik im Rheinland. Der heutige, eher schlichte Innenraum ist außerdem durch den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt. So lassen sich an der Kirche mittelalterliche Architektur und moderne Denkmalpflege gleichzeitig erkennen.
6. Die römischen Ausgrabungen unter Groß St. Martin
Unter der Kirche befindet sich eine besonders interessante archäologische Ausgrabungszone. Sie zeigt, dass der Ort schon ungefähr tausend Jahre vor dem Bau der heutigen Kirche genutzt wurde. In römischer Zeit lag das Gelände auf einer Insel, die durch einen Nebenarm des Rheins vom damaligen Köln getrennt war. Archäologen entdeckten dort in den 1960er- und 1970er-Jahren Reste einer römischen Palästra, also einer öffentlichen Sport- und Badeanlage aus dem 1. Jahrhundert. Besonders gut zu erkennen sind Teile eines etwa 34 Meter langen und 17 Meter breiten Schwimmbeckens. Später wurde das Gebiet stärker als Hafen genutzt. An die Stelle der Sportanlage traten große römische Speichergebäude, sogenannte Horrea. Auch Mauern und Pfeiler dieser Lagerhallen sind unter der Kirche erhalten. Interessant ist, dass sich der Grundriss von Groß St. Martin teilweise an diesen älteren römischen Gebäudestrukturen orientiert. Die Ausgrabungen machen deshalb anschaulich sichtbar, wie sich der Ort vom römischen Hafenbereich über das Mittelalter bis zur heutigen Kirche entwickelt hat.

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